Der brennende Dornbusch

von Esther Keller-Stocker

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Vorschau (1)

Dornbusch

Der Dornbusch ist ein Baum.  Im Alten Orient waren Bäume meistens einer Göttin zugeordnet. Die Begegnung Mose mit Jahwe, der sich im Dornbusch aufhält, lässt an einen alten Kultort denken, der in diesem Text neu interpretiert wird.

Mose ist Hirte und hütet die Schafe seines Schwiegervaters. Als von Jahwe berufen ist er dessen Prophet. Der Text setzt eine lange prophetische Tradition voraus, vielleicht wollte der Erzähler dieser Geschichte an den ersten Schriftpropheten Amos anknüpfen, der von sich sagte, dass er „unter den Hirten zu Tekoa" war (Amos 1,1). Andererseits ist „Hirte“ eine Bezeichnung für König. Mose tritt gegenüber dem Volk Israel auch als König auf, ohne als solcher genannt zu werden: Er ist Vermittler zwischen Gott und dem Volk und der Anführer Israels.

Anders als wir bei den Schriftpropheten gewohnt sind, stellt sich in II. Mose 3 Jahwe ständig vor. Es ist, als ob der Erzähler und seine Zuhörer sich der Existenz dieses Gottes nicht sicher waren, als ob über die Existenz Jahwes Zweifel herrschten. In Mose 3 betont Jahwe immer wieder, dass er „der Gott deiner Väter" sei. „Der Gott der Väter“ aber war „El Schaddaj“, was übersetzt „der Gott der Mutterbrüste“ bedeutet, der 'Gott der Väter' war also eine weibliche Gottheit. Darauf weist auch Aharon, der in II. Mose 4 dazukommt. Aharon verkörperte in den darauf folgenden Plagenerzählungen eine andere Tradition und war ursprünglich die Hauptperson. Er konnte offenbar nicht verdrängt werden, tritt aber gegenüber Mose in den Hintergrund.

Jahwe erhält in II. Mose 3,14 noch eine weitere Interpretation, Jahwe ist neu auch der Gott „Ich bin, der/die/das ist“. Das hebräische Relativpronomen aschär ist im Gegensatz zum Deutschen geschlechtsneutral und wird sowohl männlich als auch weiblich verwendet. Die allgemein übliche deutsche Übersetzung „ich bin, DER ich bin“ geht automatisch davon aus, dass es sich hier um einen männlichen Gott handelt. Das widerspricht dem alttestamentlichen Bilderverbot, aber Jahwe wurde schon im Alten Testament grundsätzlich als männlicher Gott verstanden. Dies entspricht der patriarchalen Psychologie mit seine spezifischen Auswirkungen, die ich in anderen Arbeiten erläutere, zum Beispiel in den Interpretationen zu "Symbole der Wandlung" von C. G. Jung.

Text und Gestaltung revidiert im Mai 2015
Esther Keller-Stocker, Uttwil (Schweiz), Email

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