Kommentar zu 'Symbole der Wandlung'

bearbeitet von Esther Keller-Stocker

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Einleitung

C. G. Jung stellt in diesem Buch seine Theorie von Bewusstsein und dessen Beziehung zum Unbewussten dar.

Dabei geht er aus von den Tagebüchern einer jungen Amerikanerin. Er nennt sie «Frank Miller». Sie war anfangs des letzten Jahrhunderts an Schizophrenie erkrankt. Ihre Schriften wurden von ihrem Psychiater im Jahr 1906 in einer Fachzeitschrift veröffentlicht.

C. G. Jung orientiert sich ausschliesslich an ihren Schriften, Miss Miller selber hat er nie gekannt.

In diesem Buch trägt C. G. Jung viel schriftliches Material über seine Theorie zusammen und sucht seine These mit Originaltexten aus den verschiedensten Jahrhunderten zu stützen. Figuren, die in seinem Buch vorkommen, sind etwa Mithras, römischer Sonnengott, Hiob aus dem Alten Testament und Dr. Faust von J.W. von Goethe

Mithras

Mithas

Hiob

Hiob

Dr. Faust

Dr. Faust

Die erste Fassung seines Buches kam 1911 heraus, als C. G. Jung 36 Jahre alt war. Er selber schreibt, dass zu dieser Zeit seine zweite Lebenshälfte begonnen habe. Und in der zweiten Lebenshälfte erhält das Leben häufig eine neue Ausrichtung. Zum Verständnis seiner Lehre war mir die Literatur seiner Anhängerinnen und Anhängern sehr hilfreich.

Bedeutende Mitarbeiterinnen von C. G. Jung waren Marie-Louise von Franz (1915-1998) und Jolande Jacobi (1890-1973)

Marie-Louise v. Franz

M.-L. v. Franz

C. G. Jung

C. G. Jung

Jolande Jacobi

Jolande Jacobi

Miss Miller

Die junge Miss Miller beginnt ihre Aufzeichnungen mit der Schilderung einer ausgedehnten Europa-Reise, die sie um 1900 gemacht hatte. Auf dieser Reise zog sie sich immer mehr in sich zurück und gab sich ihrer Betrachtungen von Landschaften und einheimischen Bräuchen hin. Auf einer Seefahrt vor Sizilien freundete sie sich mit italienischen Marineoffizieren an und unterrichtete sie spasseshalber in Englisch. Eines Nachts hörte sie einen der Offiziere singen.

Man könnte nun annehmen, dass Miss Miller über diesen Italiener, der nachts voller Inbrunst auf der Schiffsbrücke sang, ins Schwärmen geriet. Doch sie kommentierte das Ereignis mit keinem Wort. Stattdessen regte sie sich bloss über die Bettler auf, die sie am folgenden Tag in den Strassen von Catania antraf.

Cantania Sizilien

Catania mit dem Ätna im Hintergrund

Nur eine gewisse Unruhe beschlich die junge Frau auf ihrer weiteren Europareise. Für C. G. Jung ist ihr Unwohlsein ein Indiz dafür, dass ihr der Marineoffizier mehr beeindruckte, als sie wahr haben wollte. Sie konnte kaum schlafen und träumte von einem Schöpfer, der zuerst den Ton, dann das Licht und zuletzt die Liebe erschuf. Dabei erschallen Milliarden von Sternen im Chor zum Lobe dieses Schöpfers. Sie schrieb ein Gedicht, das ein paar Monaten später fertig war.

Als der Ewige zuerst den Ton schuf, entsprang eine Myriade Ohren zu hören. Und durch das ganze Weltall, da grollte ein Echo tief und klar: „Allen Ruhm dem Gott des Tons!“  Als der Ewige zuerst das Licht schuf, entsprang eine Myriade Augen zu sehen. Und Ohren, die hören und Augen, die sehen, Erhoben aufs neue einen mächtigen Chor: „Allen Ruhm dem Gott des Lichts.

Als der Ewige zuerst die Liebe schuf, entsprang eine Myriade Herzen ins Leben, Ohren füllten sich mit Musik, Augen mit Licht, erschallen mit Herzen, übervoll mit Liebe weithin: Allen Ruhm dem Gott der Liebe.

GerolzhofenC. G. Jung hält fest: Miss Miller befand sich während der Europareise in einem introvertierten Zustand und liess sich ganz von ihren Tagträumen leiten. Diese Träumereien nennt C. G. Jung subjektives Denken. Da sie den italienischen Seemann verdrängt hatte, träumte sie an dessen Stelle von einem Schöpfer, der von Myriaden von Sternen besungen wird.

Pfarrkirche in Gerolzhofen, Anfang 17. Jahrundert

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Text und Design: Esther Keller-Stocker (Schweiz)
Leicht revidiert im Dezember 2017