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MARIA MAGDALENA

4. MARIA MAGDALENA UND DIE DÄMONEN

Maria Magdalena ist in einem königlichen Kleid aus Purpur gekleidet, das ihre Weiblichkeit betont. Anders die drei anderen Frauen. Diese verhüllen ihren Körper traditionell in viel Stoff. Maria Magdalena steht zu ihrer Weiblichkeit, trotz der schmerzlichen Erfahrung als Frau auf der Welt zu sein. Lukas etwa berichtet, sie sei besessen gewesen von sieben Dämonen (Lukas 8,2). Diese sieben Dämonen sind wie die sieben Zwerge bei Schneewitchen ein Symbol der unbewussten männlichen Seelenhälfte einer Frau [20]. Der Animus in seiner verschiedenen Gestaltung ist bei Schneewitchen durchwegs positiv, schon der Jäger, der sie aussetzen soll, hat Mitleid mit ihr und lässt sie laufen. Die Zwerge beschützen ihre Prinzessin so gut sie können. Doch vor dem Unheil der bösen Stiefmutter vermochten sie sie nicht bewahren. Erst am Ende tritt in Gestalt des Prinzen eine starke Animus-Figur auf. Er heiratet Schneewitchen und hat die Macht, die Stiefmutter zu bestrafen. Anders bei Maria Magdalena mit den sieben Dämonen. Der unbewusste Animus beherrscht diese Frau von innen her mit der patriarchalen Norm ihrer Zeit [21]. Die sieben Dämonen sind eine Verstärkung des Patriarchats und riefen ihr zu: "Du nicht - weil weiblich!" und trieben sie so in den Wahnsinn.

Anders Jesus von Nazareth: Wie Hanna Wolff gezeigt hat, überwandt er seine Frauenfeinlichkeit in Gesprächen mit Frauen. Da war etwa die Kanaanäerin, die Jesus für ihre Tochter um Hilfe bittet:

Und Jesus ging von dort weg und zog sich in die Gegend von Tyrus und Sidon zurück. Und da kam eine kanaanäische Frau aus jenem Gebiet und schrie: Hab Erbarmen mit mir, Herr, Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon furchtbar gequält. Er aber antwortete ihr mit keinem Wort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Stell sie zufrieden, denn sie schreit hinter uns her! Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt. Doch sie kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir! Er antwortete: Es ist nicht recht, den Kindern das Brot wegzunehmen und es den Hunden hinzuwerfen. Sie sagte: Stimmt, denn die Hunde fressen ja ohnehin von den Brotbrocken, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist gross! Dir geschehe, wie du willst. Und von Stund an war ihre Tochter geheilt. (Matthäus 15,21-28)

Auf die Bitte der Kanaanäerin reagiert Jesus zunächst nicht. Erst auf den Rat seiner Jünger gab er sich mit ihr ab und machte klar, dass er als Jude gekommen sei, um Israel zu retten. Und schliesslich wirft man das Brot der Kinder nicht den Hunden vor. Sie lässt nicht locker und meint: Aber die Brotsamen, die von den Herren herunterfallen, sind alleweil gut genug für den Hund! Diese vorbildlichen Demut zwang Jesus zur Umkehr und damit zur Integration seiner eigenen unbewussten Weiblichkeit [22]. Mit der Integration der eigenen Weiblichkeit hatte es Jesus nicht mehr nötig, Frauen zur Projektionsscheibe der eigenen minderwertigen Weiblichkeit zu machen . Deshalb konnte er auch den dämonischen Bann über Maria Magdalena brechen. Im Auferstandenen manifestiert sich nun ihr achter Dämonen, einer der sie in liebender Hingabe begleitet und beschützt.

Der Auferstandene als ihr achter Dämon erinnert an den Daimon des berühmten griechischen Philosophen Sokrates. Doch anders als bei diesem Philosophen suchen unsere Gelehrte ihr den Auferstandenen abzuerkennen. So schreibt Ulrich Wilckens etwa:

So deutet Markus am Schluss seines Buches an, wo die Erkenntnis, wer Jesus in Wahrheit sei, ihren legitimen Ursprung habe nicht im Munde der Frauen sondern in dem der Jünger. Die Frauen haben in ihrer Furcht die Botschaft des Engels nicht verstanden; so blieb die grosse Kunde noch verborgen. Erst durch die Erscheinung des Auferstandenen selbst ist sie offenbar geworden, und seine Jünger, Petrus an ihrer Spitze, sind es gewesen, die sie zuerst verküdigt haben! [23].

Anders schreibt Eugen Drewermann:

Daher ist gerade diese Frau aus Magdala, diese Verzweifelte, die ersten, die dem Herrn begegnet. Der „Erste“ in der Bibel ist stets der Träger, die Symbolgestalt dessen, was wesenhaft und generell für alle Menschen gilt. [24].

In unserem Bild ist das Kopftuch der Maria der hellste leuchtendste Punkt im Gemälde. Unweigerlich erinnert es an Paulus, der von den Frauen verlangt, einen Schleier zu tragen. Als Begründung gibt Paulus an, dass das Haupt jedes Mannes Christus sei, das Haupt der Frau aber der Mann.

Männer entehren ihr Haupt, wenn sie beim Beten oder aus Eingebung reden. Umgekehrt ist es bei der Frau, sie soll beim Beten oder wenn sie aus Eingebung redet, das Haupt verhüllen.

Seine Begründung:

Der Mann ist das Abbild Gottes, die Frau aber nur das Abbild des Mannes, weil die Frau um des Mannes willen erschaffen wurde und nicht umgekehrt.

Doch dann bricht Paulus ab, sich wohl der christlichen Gleichheit besinnend und argumentiert das Tragen des Schleiers anders:

Deshalb soll die Frau eine Macht (d.h. Schleier) auf dem Haupte haben um der Engel willen. Doch ist im Herrn weder die Frau ohne den Mann noch der Mann ohne die Frau [25].

Das Bild von Fra Beato Angelico erscheint im Vergleich zur Forderung des Paulus wie eine Provokation, wie wenn er dessen Forderung ins richtige Licht setzen müsste: Gerade das Kopftuch (Schleier) einer Frau ist der Ursprung des Geistes, ohne den auch Paulus seine Theologie nicht hätte schreiben können.

2. MARIA MAGDALENA UND DIE WEISHEIT

Maria Magdalena verkündet als erste den Auferstandenen und damit eine neue göttliche Schöpfung [26]. Demzufolge vertritt sie Gott auf Erden. So wird auch die alttestamentliche, antikjüdische Weisheit interpretiert. Sie verkörpert das göttliche Gesetz und letztlich Gott selber auf Erden. König Salomo betet:

Strahlend und unverwelklich ist die Weisheit; leicht wird sie erschaut von denen, die sie lieben, und gefunden von denen, die sie suchen.
(Weisheit Salomos, 6,12)

Strahlend steht Maria Magdalena hinter dem Sarg. Der Möch sieht sie als einziger und kniet vor Ehrfurcht am Boden. Es ist als ob er das Ersehnlichste erschaut, die Verkünderin des Auferstandenen, die irdische Manifestation der Weisheit.

Alles, was es nur Verborgenes und Sichtbares gibt, erkannte ich; denn die Werkmeisterin aller Dinge, die Weisheit, lehrte es mich. In ihr wohnt ein vernunftvoller, heiliger Geist, einzigartig, mannigfaltig und fein, beweglich, klar und unbefleckt, zuverlässig und unverletzlich, dem Guten zugetan und kraftvoll, unhemmbar, wohltätig. (Weisheit Salomos (7,21f.)

Maria Magdalena findet sich im Verborgensten, im Totenreich, wo sich kein Mensch freiwillig aufhält. Dorthin folgt ihr der Mönch, um nicht den Auferstandenen zu sehen sondern ihre Verkündigung.

Sie erstreckt sich machtvoll von einem Ende (der Welt) zum anderen und durchwaltet das All aufs beste. (Weisheit Salomos 8,1)

Die Botschaft Maria Magdalenas erstreckt sich über die ganze Welt. Doch sie und ihr Wissen weilen im Verborgenen, weil vom patriarchalen Bewusstsein nicht akzeptiert.

Von meiner Jugend an habe ich die Weisheit geliebt und gesucht;
ich begehrte sie als meine Braut heimzuführen, und wurde ein Liebhaber ihrer Schönheit. Ihren edlen Ursprung tut sie dadurch kund, dass sie mit Gott in vertrautem Verkehr steht, und der Herr des (Welt-)Alls liebt sie.
Sie ist ja eingeweiht in Gottes Wissen
und trifft die Auswahl unter seinen Werken. (Weisheit Salomos 8,2-4).

Die ewige Sehnsucht nach der Weisheit als der wunderschönen göttlichen Frau, die man in ihrem Glanze nur bewundern und begehren darf, weil sie einem anderen, dem Höchsten gehört, bringt der Künstler hier ebenfalls zum Ausdruck.

3. MARIA MAGDALENA VOR DEM OFFENEN SARG

Maria Magdalena vor dem offenen Grab im Zentrum des Bildes erinnert an den Hohepriester von III. Mose 16. Dieser tritt einmal im Jahr, am Versöhnungstag, vor die Bundeslade im Allerheiligsten des Jerusalemer Tempels. Im Gegensatz zum Hohenpriester tritt Maria Magdalena nur einmal in ihrem Leben und für die gesamte Christenheit einmalig für alle Ewigkeit vor den offenen Sarg.

Nach dem Priesterkodex war die Bundeslade mit einem Sühnedeckel, hebräisch kapporeth, verschlossen. Maria Magdalena steht aber vor dem offenen Sarg. Sie hat keinen Deckel nötig, den sie vor dem Abgrund schützt. Denn der Abgrund ist für sie das Patriarchat mit seinen Dämonen.

Der Hohepriester bringt Opferblut vor die Gotteslade und besprengt sie damit. Das Blut ist das magische Elixier, das zur Sühne vor der Ladegottheit gesprengt wurde zur kultischen Reinigung der Priesterschaft, des Volkes und des ganzen Tempelareals. Maria Magdalena benötigt kein Blut. Sie geht hin mit leeren Händen, sich selber als Opfer, daran erinnert auch ihr rotes Kleid. Doch ihr rotes Kleid erinnert auch an ihren Monatsfluss, ihre kultische Unreinheit, die es ihr aus patriarchaler Sicht verbietet, an dieser Stelle zu stehen. Doch all diese Klischees weichen vor Gott zurück, welcher in seiner menschlichen Existenz auch blutflüssige Frauen heilt [27]. Die richtige Einstellung vor dem Sarg ist Hingabe, die den Tod überwindet. Doch diese Forderung geschieht nicht unter göttlichem Diktat, um sich selbst und seinen Namen zu huldigen. Im Gegenteil die Forderung ist begründet im Kreuzestod als Beispiel rechter Gesinnung.

Statt das Opferblut bringt Maria Magdalena also sich selber, ihre Hingabe und ihren Mut mit vor das offene Grab und wagt es auch ihre Hand auf dessen Rand zu legen, um in die unergründliche Tiefe des Todes zu schauen. Offensichtlich tritt sie mit der richtigen Einstellung an das Grab, denn sie stirbt nicht wie die beiden Söhnen Aharons, die mit falschem Feueropfer vor Jahwe getreten und dafür vom Zorn Gottes getötet worden seien [28]. Auch nicht wie der Priester Uzza, welcher die Lade vor ihrer Zerstörung stützen wollte [29] .

Maria Magdalena vor dem offenen Grab erinnert auch an das Hymnusfragment in Römer 3,25: Dort wird Christus mit dem Sühnedeckel (Hilasterion) im Allerheiligsten des Jerusalemer Tempels verglichen. Aber statt im Verborgenen des Jerusalemer Tempels zu weilen, ist der Sühnetod Jesu am Kreuz für alle sichtbar geworden. Doch die Verbindung des Sühnedeckels (griechisch: hilasterion) mit dem Kreuzestod birgt eine Verschmelzung zweier Begebenheiten. Der alttestamentliche Sühnedeckel liegt nämlich über der Bundeslade, die traditionellerweise als Sarg gedacht war. Dass heisst die ursprüngliche Idee des Hymnusfragments denkt an den Sarg, von der die Verkündigung ausgeht und erst in einer weiteren Überlegung an den Kreuzestod. In der jetzigen Fassung des Hymnus sind die Frauen, die als erste den leeren Sarg sahen, verdrängt. An ihrer Stelle tritt der unbewusste patriarchale Komplex, die archaische Mutter, die sich in der antikjüdischen Tradition mit der Bundeslade verbindet. Doch auch sie wird verdrängt. Sie ist nur durch den Sühnedeckel sichtbar, das mit dem Opfer, Christus, verschmilzt.

Als der neue Hohepriester vertritt Maria Magdalena im Bild auch das Ursprüngliche. Das Ursprüngliche kommt im biblischen Wort Aaron zum Ausdruck. Im Alten Testament gibt es dazu drei ganz ähnlich lautende Begriffe, 1. ist Aharon der Name des Hohenpriesters, 2. bedeutet Aaron die (Bundes-)Lade und 3. hiess der Priesterkönig der vordavidischen Jebusiterstadt Aruna. Die drei Begriffe sind sich so ähnlich und erinnern an den Ortsnamen Arinna, dem Hauptsitz der hethitische Staats- und Sonnengöttin. Und wie gelangte die Sonnengöttin von Arinna/Arunna in das Alte Testament?

Die Hethiter beherrschten Ende des zweiten Jahrtausends vor Christus von Anatolien aus den ganzen Vorderen Orient bis an die Grenzen von Ägypten. Nach Helmut Uhlig konnten die Hethiter die anatolischen Uhreinwohner nur in das hethtische System integrieren, in dem sie die mächtige Muttergöttin Wuruschemu von Arinna als höchste staatliche und königliche Instanz übernahmen[30]. Als Wahrerin der hethitischen Staatsordnung wachte sie über das Grossreich. Die Bedeutung der Sonnengöttin wurde mit der Zeit zurückgedrängt und durch eine männliche Sonnengottheit ersetzt.

Zur Zeit des Untergangs des hethitischen Reiches Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. verwalteten in Palästina häufig Hethiter die Städte.

Ende des 2. Jahrtausends vor Chr. wanderten semitische Stämme von Süden nach Palästina. Um sich gegen andere Stämme und gegen die Grossmächte behaupten zu könnnen, schlossen sie sich zu einem Stämmebund zusammen. Martin Noth [31] hat gezeigt, dass sich altisraelitische Stämme unter einer Gottheit namens Aaron zusammenschlossen. Zur Zeit der semitischen Wanderung hielten sich Hethiter in den palästinischen Städten und bildeten da die Oberschicht. So war etwa die Jebusiterstadt Jerusalem in Hethitischer Hand, als David diese Stadt um 1000 v. Chr. eroberte. Meines Erachtens übernahmen die alten Israeliten die Sonnengöttin von Arinna von den alten Kulturstädten umd machten sie zu ihrer Stammesgöttin. In den heutigen Texten ist stets von der "Bundeslade" (hebräisch aaron berith) die Rede. Doch die Vorstellung, dass Aaron eine Lade war, ist uns erst von der Priesterschrift (4. Jahrhundert v. Chr.) überliefert [32].

Beachten wir nun wieder das helle Kopftuch Maria Magdalenas: Aus ihm erhebt sich der Gedanke Maria Magdalenas als Sonne. Und so verknüpft der mittelalterliche Künstler die ursprüngliche Gottesvorstellung, die Vorstellung der Sonnengöttin, mit den christlichen Inhalten. Dies liegt nahe, denn auch die Alteuropäische Sonnengottheit war weiblich. Im Bild von Fra Beato Angelico wird Maria Magdalena zur Trägerin der Sonnengöttin.

Als Vertreterin der Sonnengöttin weist Maria Magdalena der Menschheit den richtigen Weg. Ein Gedanke, welcher auch im Alten Testament von der Weisheit verkündet wird:

Ruft nicht die Weisheit vernehmlich?
erhebt nicht die Einsicht ihre Stimme?
Oben auf den Höhen am Wege,
da wo die Pfade sich kreuzen, steht sie. Zur Seite der Tore am Ausgang der Stadt, am Eingang der Pforten ruft sie laut: Euch, ihr Männer, gilt meine Predigt, an die Menschenkinder geht mein Ruf..... [33].

Um das Wort Gottes zu verkünden, steht die Weisheit wie eine altorientalische Dirne in den Gassen. Das heisst, die Weisheit als unabhängige Frau kann vom alttestamentlichen Theologen nur als erotisch anzügliche Frau vorgestellt werden. Dies wäre an sich nicht schlimm, wenn nicht andererseits konkrete Frauen, die sich als Prostituierte verdingen mussten, um sich und ihre Familien durchzubringen, verurteilt wurden [34]. Auch in der christlichen Tradition hat es sich von Anfang an durchgesetzt, in unabhängigen Frauen Dirnen zu sehen. Dies gilt bekanntlich auch von Maria Magdalena. Dass Maria Magdalena in den Evangelien als Dirne erscheint, lässt eher an einen patriarchalen Trick denken, um ihre Bedeutung bei der Entstehung des Christentums herunterzuspielen: Man disqualifiziert sie einfach moralisch und dann kann sie aus patriarchaler Sicht theologisch nicht relevant sein!

In unserem Bild erkennt Maria Magdalena in der Stille der Höhle den Auferstandenen und trägt Petrus das Erschaute als Botschaft zu. Sie wirkt in der Stille, in der Finsternis, während die Weisheit (hebräisch Chokmah) in den lärmigen Strassen die Botschaft ihres Gottes verkündet. In den späteren Weisheitsschriften wird Chokmah einerseits als blosses Werkzeug Gottes dargestellt so bei Jesus Sirach, andererseits tritts sie Gott als eigenständige Grösse gegenüber [35]. Im Prolog des Johannesevangeliums wird sie mit dem Logos-Christus identifiziert, doch wirkt sie in den Frauen weiter, die in der Nachfolge Christi Führungsrollen übernahmen. Darauf hat Martin Scott gewiesen. In dieser dominanten Stellung steht nun Maria Magdalena. Sie ist der Erste Christ und das eigentliche christliche Vorbild. Sie, die im Christentum immer als die Grosse Sünderin dasteht, erinnert im Bild an den Spruch Jesu: Die Letzten werden die Ersten sein! [36].

Die alttestamentliche Chokmah ist ständig in Bewegung und tanzt vor Gott, um Jahwe zu gefallen [37]. Maria Magdalena ist nicht im Tanz mit Gott vereint sondern angesichts des Schreckens und des Todes. Schrecken und Tod nimmt der Betrachter des Bildes im finsteren Halbrund der Höhle wahr, die Vereinigung von Gott und Mensch in den hellen Schleifen über den Gewändern der beiden Gestalten, des Auferstandenen und der Maria. Das dunkle Halbrund und die im Raum versetzten hellen Schleifen bilden vage einen Kreis und damit die Vereinung der Gegensätze von Licht und Finsternis. Dieser Gegensatz versinnbildlicht die Theophanie der Grossen Mutter [38].

Angaben

  1. Joseph L. Henderson, "der moderne Mensch und die Mythen" und Marie-Louise von Franz, "der Animus, der innere Mann in der Frau", beides in "der Mensch und seine Symbole", S. 140; 189ff. -↑ zurück
  2. Marie-Louise von Franz, "der Animus, der innere Mann in der Frau", beides in "der Mensch und seine Symbole", S. 140; 189ff-↑ zurück
  3. Hannah Wolff, Jesus der Mann -↑ zurück
  4. Ulrich Wilckens, Auferstehung, S. 53 -↑ zurück
  5. Eugen Drewermann, Die Botschaft der Frauen, S. 155; 175↑ zurück
  6. I. Korinther 11,1-11 -↑ zurück
  7. vgl. Wilfried Eckey zu "Anfang" in "das Markus-Evangelium", S. 60 -↑ zurück
  8. Markus 5,5-34 -↑ zurück
  9. III. Mose 10,1f. -↑ zurück
  10. II. Samuel 6,6f. -↑ zurück
  11. Helmut Uhlig, die grosse Göttin lebt; weiter über die Sonnengöttin von Arinna bei Johannes Lehmann, Die Hethiter: Volk der tausend Götter; E. O. James, The Cult of the Mother-Goddess, S. 88; ANET 393; Wissen.de -↑ zurück
  12. Martin Noth, die Entstehtung der altisraelitischen Amphiktyonie, S. 95 -↑ zurück
  13. vgl. meine Interpretation zu Römer 3 -↑ zurück
  14. Sprüche 8,1-4 -↑ zurück
  15. Jesus Sirach 9 -↑ zurück
  16. Silvia Schroer, Die Weisheit hat ihr Haus gebaut, S. 43ff. -↑ zurück
  17. Martin Scott, Sophia and the Johannine Jesus -↑ zurück
  18. Sprüche 8,30 -↑ zurück
  19. Erich Neumann, zur psychologischen Bedeutung des Ritus, Par. 29, neu gefunden in "opus-magnum.de"-↑ zurück

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Esther Keller-Stocker, E-Mail
Letzte Revision im Juni 2014