AUFSÄTZE ZU EINER GANZHEITLICHEN THEOLOGIE

Esther Keller-Stocker

Die Göttin hinter der
biblischen Bundeslade

Kapitel 5

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Deckenfresko in der Pfarrkirche Menzingen: Ussa stirbt Bundeslade

Symbolik der Bundeslade

In 1. Samuel 6 wird «Aaron Jahwes» auf einen Karren geladen und von zwei Mutterkühe gezogen. An der Grenze wurden diese samt dem Wagen der Gottheit «Aaron Jahwes» geopfert (V. 1-15). Bereits Ewald Roellenbleck wies darauf hin, dass sich kein männlicher Gott von säugenden Kühen ziehen lässt (1), also musste die Lade eine Göttin gewesen sein. Julian Morgenstern und Thomas Staubli vergleichen die Lade mit einer arabischen Qubbe. Das war ein kleines Zelt auf dem Rücken eines Kamels. Es barg zwei Steine, die die beiden Göttinnen Al-Uzza und Al Lat versinnbildlichten (2). Göttinnen

Ewald Roellenbleck weist darauf hin, dass die Gestalt der Lade als nach oben geöffneter Kasten eine stilisierte Ackerfurche darstellt, eine weibliche Vagina also, wie sie uns in zahlreichen Göttinnen-Darstellungen aus der Spätbronzezeit überliefert sind (3).

Othmar Keel, Christoph Uehlinger «Göttinnen, Götter und Gottessymbole», S. 229

In der differenzierten Darstellung des Archetyps der Grossen Mutter von Erich Neumann gehört die Lade zu ihrem "Gefässcharakter" mit dem Motiv "Tod und Wiedergeburt" . Diese Symbolik umschliesst alles Raumeinschliessende, z.B. Kiste, Schiff, Stadt, Haus, Korb, aber auch Erde, Himmel, Land, Meer, Unterwelt. Die Lade repräsentiert demnach den uroborischen Urschloss, welcher die Welt gebiert und sie wieder verschlingt. Die mit dieser Symbolik gegebenen numinose Dynamik wird in den Aspekten Fruchtbarkeit und Destruktion entfaltet, etwa als Liebes- und Kriegsgötinnen (5).

Die Symbolik der "Spalte, Furche, Vagina" wie sie die Lade repräsentiert, kommt in älteren Texten des Alten Testament häufig vor, z.B. unter dem Begriff päräz: So gebiert Thamar zuerst Perez (Riss), dann Serah (I. Mose 38,29). Da Serah «Sonnenaufgang» bedeutet, handelt es sich hier wohl um eine Geburt eines Sonnenhelden. Eine Mythologie, die von den biblischen Redaktoren als Familiengeschichte gestaltet wurde.

II. Samuel 6,5-7

Eine aggressive patriarchale Note erhält der Text in II. Samuel 6,8. Da heisst es:

Und David und das ganze Haus Israel tanzten vor dem HERRN, mit verschiedenen Hölzern vom Wacholder, mit Leiern, mit Harfen und Pauken, mit Rasseln und mit Zimbeln.Dann aber kamen sie zur Tenne des Nachon, und Ussa griff nach der Lade Gottes und hielt sie fest, denn die Rinder hatten sich losgerissen. Da entbrannte der Zorn des Jahwes über Ussa, und dort schlug ihn Gott dieser Vermessenheit wegen, und er starb dort bei der Lade Gottes. Und David war zornig darüber, dass Jahwe mit dem Tod des Ussa eine Lücke gerissen hatte, und man nennt jenen Ort Perez-Ussa bis auf den heutigen Tag. Und an jenem Tag fürchtete sich David vor dem Jahwe und sagte: Wie soll die Lade des Jahwe zu mir kommen? Und David war zornig darüber, dass der Jahwe mit dem Tod des Ussa eine Lücke gerissen hatte, und man nennt jenen Ort Perez-Ussa bis auf den heutigen Tag (II. Sam. 6,5-7).

Der Tod des Ussa wird von David ausdrücklich als "Riss (prz) Jahwe" betrauert. Der Riss wird durch den Zorn Jahwes vollzogen. Er reisst eine Lücke, eine Spalte, einen Riss. Es handelt sich demnach um einen kultischen Akt des Aufreissens der Erde, ein kultisches Pflügen, und Ussas Sterben als Opfer dieser Zeremonie. Als kultische Prozession der Befruchtung der Erde durch den Gewittergott passt auch das nackte Tanzen zur Musik. (6).

Richter 19f.

Ein weiteres Opfer kommt in Richter 19 vor: In Gibea in Benjamin übernachtete ein Levit mit seiner «Nebenfrau». Da kamen «böse Männer» und forderten den Leviten heraus. Dieser weigerte sich und warf stattdessen seine «Nebenfrau» aus dem Haus. Die Frau wurde in jener Nacht von den Männern zu Tode vergewaltigt. Als der Levit am anderen Morgen abreisen wollte, lag sie auf der Schwelle der Tür. Er sagte:

«Steh auf, lass uns gehen. Aber niemand antwortete».

Sie war tot. «Steh auf!» gilt im Alten Testament sonst als Schlachtruf, hier macht der Satz aber einen unglaublich brutalen, verachtenden Eindruck. Als der Levit merkte, dass die Frau tot war, ging er nach Hause und teilte sie in 12 Stücke. Die zwölf Teile liess er den verbündeten Stämmen zukommen, jedem ein Stück. Die Stämme versammelten sich in Beth-El, wo die Gotteslade im Zelt stand, und zogen von da in den Krieg gegen die Benjaminiten (Ri. 20,26f.). Diese wurden vernichtend geschlagen:

Und die Männer Israels waren zurückgekehrt zu den Benjaminiten und schlugen sie mit der Schärfe des Schwertes, Menschen und Vieh, alles, was sich fand; sie setzten auch alle Städte in Brand, die sie vorfanden (Ri. 19,48).

Nur die Mädchen wurden nicht getötet, weil diese die Krieger heiraten mussten - also Folter durch Zwangsehe (Ri. 21,12).

Wie in II. Samuel 6 ist auch hier (Ri. 19f.) von einem Opfer und von der Gotteslade die Rede, aber auch von Spalten in zwölf Teile anstelle vom «Riss». Statt dem «Zorn Jahwes» (II. Sam. 6) ist hier von männlicher Sexualität die Rede, von rauschhafter Gier, der ein Opfer kostete.

Auffallend ist, dass die getötete Frau im Text durchgehend als «Nebenfrau» des Leviten bezeichnet wird und sie in zwölf Teile geschnitten wurde. - Das lässt aufhorchen: Zwölf Teile erinnern an die Sonnensymbolik der «Bundeslade», erinnert also an die «Sonnengöttin von Arinna». Andererseits werden Frauen, die den biblischen Redaktoren nicht passen, abgewertet. So nehme ich an, dass es sich bei der «Nebenfrau» und eine wichtige Persönlichkeit handelte, etwa um eine Priesterin der Sonnengöttin.

Hyam Maccobi weist darauf hin, dass der Stamm Benjamin während der babylonischen Exilszeit verschwunden war (7). Wenn man bedenkt, dass diese Geschichten genau in jener Zeit redaktionell bearbeitet wurden, dürfte hier eine ursprüngliche Geschichte in eine Ätiologie zum Verschwinden des Stammes Benjamin redaktionell umgewandelt worden sein.

Numeri 16,31ff.

Ein anderer Begriff, welcher das Motiv des "Spaltens" bezeichnet, ist baka (spalten, sich öffnen). In Num. 16,31ff. drückt baka den verschlingende Aspekt des tellurischen Weiblichen besonders deutlich aus:

Kaum hatte er alle diese Worte gesprochen, da spaltete sich der Boden unter ihnen, und die Erde tat ihren Mund auf und verschlang sie samt ihren Familien und allen Menschen, die zu Korah gehörten, und all ihrer Habe....

Hier fällt wegen der Archaik des uroborisch Weiblichen "Geschlechtsteil" und "Mund" zusammen. Dies entspricht dem Gesetz des kollektiven Unbewussten, je archaischer ein Symbol ist umso ambivalenter erscheint es: Die Öffnung der Erde ist sowohl der Mund, der die Frevler verschlingt, als auch die Vagina, aus dem das Leben geboren wird (8).

Aaron und Sexualität

Jeremia 3,16f.

Die alttestamentliche Aaron wird von späteren Redaktoren als Kultgegenstand beschrieben, als Behälter der Zehn Gebote oder erhält einen Deckel über die Öffnung. Das sind Versuche, die Gottheit, die sich hin ter der Lade verbirgt, zu entwerten. Offenbar war die Faszination für die Gottheit Aaron noch so gross, dass der Schriftprophet Jeremia oder ein späterer Redaktor ausrastete und schrieb:

Und wenn ihr euch in jenen Tagen mehrt und fruchtbar werdet im Land, Spruch Jahwes, wird man nicht mehr sagen: Die Lade des Bundes Jahwes! Und sie wird niemanden in den Sinn kommen, und man wird sie nicht vermissen und sie wird nicht wieder hergestellt werden. In jener Zeit wird man Jerusalem Thron Jahwes nennen. Und dort werden sich alle Nationen versammeln, beim Namen Jahwes, und dem Starrsinn ihres bösen Herzens werden sie nicht mehr folgen (Jer 3,16f.)

Hier ist die Lade «Aaron» als Göttin für die Fruchtbarkeit zuständig und soll nun endlich verschwinden. Sexualität in Beziehung zu Aaron ist auch an anderen Stellen belegt, etwa in I. Samuel 2,22 schlafen die Söhne des Priesters Eli mit den Frauen, die vor dem „Zelt der Begegnung“ Dienst tun. Die ausdrückliche Erwähnung von Priestern weist auf den Fruchtbarkeitskult hin, der von Schriftpropheten im Alten Testament polemisiert wurde und nach Mircea Eliade integraler Bestandteil der Erneuerungs- und Neujahrkultes gehörte (9). Während und nach dem babylonischen Exil waren diese Praxis für die Redaktoren des Alten Testaments unhaltbar: Es war böse in den Augen Jahwes.

Aber welchen Dienst taten die Frauen vor dem Tempel? Oder die Frauen mit den Spiegeln in II. Mose 38,8? Nach II. Kön. 23,6f. wohnten „Geweihte“ (Qadešim mask. Plur.) beim Tempel und Frauen woben btim (kultische Gewänder) für die Aschera. Die Kultbilder und die Häuser der Qedeschen liess König Josia zerstören:

Er (Joschija) liess die Aschera aus dem Tempel JHWHs hinausschaffen und sie draussen vor Jerusalem im Kidrontal verbrennen und zu Staub zerstampfen und den Staub dann auf die Gräber der gemeinen Leute werfen.
Er riss die Wohnungen der Geweihten ein, die beim Tempel JHWHs waren, in denen die Frauen btim für die Aschera woben (10).

Thomas Staubli hält die Frauen, „die vor dem Eingang der Stiftshütte Dienst taten“ (2. Mose 38,8) für „Hofdamen“ einer ursprünglich weiblichen Gottheit, die im Zelt verehrt wurde, vergleichbar mit den Priesterinnen am Hathor-Heiligtum in Timna. Er vermutet in in den Frauen „Wärterinnen des Heiligtums“. - Die Lade befand sich ursprünglich in einem Zelt. Dieses vergleicht er auf Julian Morgenstern weisend, mit der arabischen Qubba. In der Qubba befanden sich zwei Betylen (Steine) der Göttinnen Al-Lat und Al-Ussa befanden (11):

In Ex. 38,8 ist von diensttuenden Frauen am Eingang des Begegnungszeltes die Rede. Nimmt man eine Verehrung der Lade innerhalb dieses Zeltes an, so scheinen Frauen im alttestamentlicher Zeit eine bedeutsame Rolle im Zusammenhang mit der Lade gespielt zu haben, seien es nun Musikantinnen gewesen …., Tempelprostituierte (vgl. I. Sam. 2,22 M) oder einfach «Hofdamen» einer ursprünglich weiblichen Gottheit, die im Zelt verehrt wurde (vgl. die Hathor im Timna!), beziehungsweise Wärterinnen des Heiligtums (12).

In gleicher Weise dürften in der Lade zwei Steine befunden haben. Und als alte Göttinnen kämen da nur die Sonnengöttin von Arinna und die Himmelsgöttin Hepat in Frage. Jedenfalls ist uns die eine im Namen der Lade Ha-Aaron überliefert, die andere als Eva, «die Mutter alles Lebens» (I. Mose, 3,21).

An die «Frauen des Tempels» knüpft eine kathologische Tradition an, nach der soll Maria „den purpurne Vorhang im Tempel gesponnen haben». Doch Maria befasste sich bekanntlich nicht nur um kultische Tücher sondern wurde von Gott geschwängert und zur «Gottesgebärerin» und «neuen Bundeslade»(13).

Die Qedešen

Das Allerheiligste im Jerusalemer Tempel, in der die Lade stand, heisst Kodesh Ha-Kodashim („קדש הקדשים“ „das Heilige der Heiligtümer“) (14). Zu diesem Allerheiligsten gehörten geweihte Frauen und Männer, die mit Qedešen („qdš“ „heilig“) bezeichnet werden (15). Die Übersetzung von Qedešen in unseren Bibeln ist unterschiedlich. So werden sie in der Zürcher Bibel 2007 mit „Geweihte“ (I. Kön. 22,47) widergegeben:

Auch rottete er (König Jehoschafat) den Rest der Geweihten im Land aus, der übrig geblieben war aus der Zeit Asas, seines Vaters.

Bei „Geweihte“ weiss man allerdings nicht, was gemeint ist. Die „Gute Nachricht Bibel“ übersetzt „geweihte Männer und Frauen“, denn wie in unseren westlichen Sprachen sind im Hebräischen mit der männlichen Form eines Wortes häufig Frauen mitgemeint. Im Zusammenhang mit den populären Ascheren, die es im Jerusalemer Tempel und im ganzen Land gab, gelten Qedešen als männliche «Kult-Prostituierte». So übersetzen die Luther und Elberfelder Bibeln Qedeŝen:

Und er brachte die Aschera aus dem Hause des HERRN hinaus vor Jerusalem an den Bach Kidron und verbrannte sie am Bach Kidron, zermahlte sie zu Staub und warf ihren Staub auf die Gräber des einfachen Volks. Und er brach ab die Häuser der Tempelhurer, die an dem Hause des HERRN waren, in denen die Frauen Gewänder für die Aschera wirkten. (Luther-Bibel 2017: II. Könige 23,6 vgl. auch I. Kön. 22,47).

Die „English Standard Version“ übersetzt Qedešim mit „the male cult prostitutes“ und die „King James Version: „and the remnant of the sodomites“ (I. Kön. 22,46). Mit „Sodomite“ wird im Englischen „Analverkehr zwischen zwei Männern oder zwischen Mann und Frau“ bezeichnet. (16).

Christine Stark ist dem Begriff Qadešim im Alten Testament nachgegangen und fasst ganz am Anfang des Buches zusammen:

Bei den Stellen zu den männlichen Qedeschen ist gar keine Verknüpfung zu hurerischen Handlungen gegeben. Bei den weiblichen ist zwar eine Anlagerung der Hurerei-Vorwurfs festzustellen, dieser basiert jedoch auf dem metaphorischen Vergleich von erwünschtem Glauben mit hurerischem Treuebruch gegenüber JHWH (17).

Die Autorin kann zum Begriff Quedesen kann für Männer keinerlei sexuelle Kultpraktiken nachweisen, für Frauen schon. Doch diese hängt nicht mit dem Begriff "qds" zusammen sondern mit dem Vorwurf Gottes gegen sein hurerisches Volk. D.h. Im metaphorischen Vergleich ist das Bild „Mann“ mit Gott gleichgesetzt, während „Frau“ mit Untreue und Hurerei der dem Mann oder dem Gott untergebenen Ehefrau resp. des Volkes Gottes gleichgesetzt. Dabei darf man nicht vergessen, dass im Vorwurf gegen Israel als hurerisches Eheweib häufig soziale Ungerechtigkeit gemeint ist, bei der die Reichen die Armen ausnutzten. Darüber hinaus werden auch die Verehrung anderer Götter und Göttinnen sexuell diffamiert (18). - Für mich stellt sich da eine ethische Frage: Von Kind auf wurde mir eingeredet, dass sich die jüdische und später dann christliche Religion moralisch über «die anderen Religionen» erhoben habe. Wie ist aber diese moralische Überlegenheit zu vereinbaren, wenn metaphorisch, abstrakt oder sonst irgendwie der Schatten dieser Religion auf ein Frauenbild projiziert wird oder wenn andere Religionen und Völker mit den eigenen sexuellen Phantasien diffamiert werden, um die eigene Religion ideologisch über die anderen zu setzen?

Die sexuelle Praktiken, die es im Alten Testament dennoch gibt, ordnet Christine Stark der Volksreligion und der Hausfrömmigkeit zu. Sie sind auf Feiern beschränkt, die zu bestimmten Zeiten stattfanden, wo Tabus aufgebrochen und überschritten werden, etwa unserer Fasnacht vergleichbar. Auch gibt es Grauzonen zwischen Offizialkult und Privatfrömmigkeit, wenn private Äusserungen im öffentlichen Raum stattfinden. Als Beispiel nennt die Autorin Hannas privates Gebet im Tempel von Silo (1. Sam. 1,9f.), das eine öffentliche Kulthandlung nach sich zieht (z.B. 1. Sam. 1,24ff: Hanna löst ihr Gelübde ein) (19).

Verbot des Dirnenlohnes (V. Mose 23,18f.)

Im Alten Testament gibt es ein klares Verbot an Israelitinnen und Israeliten, Qadešen zu sein (V. Mose 23,18).

Unter den Töchtern Israels soll es keine Geweihte und unter den Söhnen Israels soll es keinen Geweihten geben. V. Mose 23,18

Diesem Verbot folgt ein weiteres, das es verbietet, für ein Gelübde Dirnenlohn oder Hundegeld in den Tempel Jahwes zu bringen:

Du sollst keinen Dirnenlohn und kein Hundegeld in das Haus Jahwes, deines Gottes, bringen auf irgendein Gelübde hin, denn beides verabscheut Jahwe dein Gott. (V. 19)

V. 18 wird in 3. Person gehalten und V. 19 in 2. Person singular. Obwohl der stilistische Bruch der beiden Verse offensichtlich ist, werden die beiden Sätze zusammengelesen, d.h. die weiblichen Geweihten werden mit Dirnenlohn und die männlichen mit dem Hundegeld in Verbindung gebracht. Nach Christine Stark ist „Hundegeld“ das Geld , das für einen Sklaven oder Untergebenen an den Tempel bezahlt werden soll und zwar für ein geleistetes Gelübde. - Sie zeigt auch, dass die beiden Versen sekundär in die vorliegende Versreihe eingefügt wurde. Nach ihr bleibt die Tätigkeit der Qedeŝen unklar und folgert, es handle sich um eine dem Jahweglauben unerwünschte Arbeit (20).

V. 18 wird in 3. Person gehalten und V. 19 in 2. Person singular. Obwohl der stilistische Bruch der beiden Verse offensichtlich ist, werden die beiden Sätze zusammengelesen, d.h. die weiblichen Geweihten werden mit Dirnenlohn und die männlichen mit dem Hundegeld in Verbindung gebracht. Nach Christine Stark ist „Hundegeld“ das Geld, das für einen Sklaven oder Untergebenen an den Tempel bezahlt werden soll und zwar für ein geleistetes Gelübde. Sie zeigt auch, dass die beiden Versen sekundär in die vorliegende Versreihe eingefügt wurde. Nach ihr bleibt die Tätigkeit der Qedeŝen unklar und folgert, es handle sich um eine dem Jahweglauben unerwünschte Arbeit . Sonderbar ist aber, weshalb es ein solches Verbot überhaupt gibt, das ausdrücklich Hurerei unter Israelitinnen und «eine unerwünschte Arbeit» für Israeliten verbietet. Ein solches Verbot wurde doch nicht einfach in den luftleeren Raum ausgesprochen, sondern muss irgendwo fassbar sein? – So gibt es alte, vorexilische Texte, die später durch die veränderten Moralvorstellungen der Autoren und Redaktoren aus dem Exil bearbeitet wurden, aber deren ursprünglichen Sinn noch zu greifen sind, auch ohne den Begriff «Qedesen» zu gebrauchen, etwa wenn David nackt vor der Lade tanzt (II. Sam. 6) oder Eli Hanna einen Sohn "verheisst" (I. Sam. 1-3).

Literaturhinweise

  1. Ewal d Roellenbleck, die Alma Mater und das Alte Testament, S. 100
  2. Julian Morgenstern, The Ark, the Ephod and the Tent of Meeting, p. 237ff; Er bezieht sich auf Julian Morgensterns „The Ark, the Ephod and the Tent“.
  3. Ewald Roellenbleck, Alma Mater und das Alte Testament, S. 101; Zu "die nackten Göttinnen" etwa Othmar Keel, Christoph Uehlinger, "Göttinnen, Götter und Gottessymbole"
  4. Erich Neumann, die Grosse Mutter - eine Phänomenologie der weiblichen Gestaltungen des Unbewussten, S. 56
  5. O. Keel, Göttinnen, Götter und Gottessymbole, S. 55ff.; vgl. Beispiele der fruchtbaren und furchtbaren Göttinnen in anderen Kulturen in Erich Neumann "die Grosse Mutter"
  6. Vgl. Mircea Eliade, Kosmos und Geschichte – der Mythos der ewigen Wiederkehr, S. 38f. «die Vergleichung des Geschlechtsaktes und der Feldarbeit ist in zahlreichen Kulturen sehr häufig.
  7. Hyam Maccobi, Der Mythenschmied - Paulus und
    die Erfindung des Christentums, S. 104; The Mythmaker, p. 96
  8. vgl. Otto Rank: Psychoanalytische Beiträge zur Mythenforschung,
    S. 87f.
  9. Mircea Eliade, Kosmos und Geschichte – Der Mythos der ewigen Wiederkehr, S. 72f.
  10. Silvia Schroer, „In Israel gab es Bilder“, S. 25
  11. Thomas Staubli, Das Image der Nomaden, S. 225
  12. Thomas Staubli, das Image der Nomaden, S. 224. Er bezieht sich auf Julian Morgensterns „The Ark, the Ephod and the Tent“; vgl. Wolfgang Zwickel, Der Salomonische Tempel, S. 25
  13. Michael Hesemann, Maria von Nazareth, S. 7; 113
  14. Wikipedia „Jerusalemer Tempel“, 26.06.2018
  15. Gerhard Lisowsky, Konkordanz zum Hebräischen Alten Testament, 2. Auflage, S. 1240: I. Mose 32,21; Dtn. 23,18; I. Kön. 22,47; II. Könige 23,6f; Hose 4,14; Hiob 36,14
  16. Wikipedia „Sodomit“, 29.01.2018
  17. Christine Stark, „Kultprostitution“ im Alten Testament, Umschlag
  18. Christine Stark, «Kultprostitution» im Alten Testament, S. 49
  19. Christine Stark, „Kultprostitution“ im Alten Testament, S. 61ff.
  20. Christine Stark, „Kultprostitution“ im Alten Testament, S. 149ff.

Bildnachweis

  • Usa stirbt, nachdem er die Bundeslade berührt hat. Deckenfresko in der Pfarrkirche Menzingen/ZG; Fotographie: Andreas Faessler vom 16.4.2018
  • Sonnengöttin nachbearbeitet aus wikipedia "Eflantun Pinar, hethitische Quellheiligtum

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